[Quelle DGSV]

4. Schwimm-Weltmeisterschaften der Gehörlosen vom 17. bis 22. August 2015 in San Antonio/USA

Teilnehmer:

Alina Mühkĺenjost
Linda Neumann

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Am kommenden Montag geht´s los: Sportlerinnen und Sportler aus 24 Ländern nehmen an der 4. Schwimm-WM der Gehörlosen teil, die vom 17. bis 22. August 2015 in San Antonio/USA stattfindet.

Die Delegation des DGS ist klein, aber fein! Die Teilnahme an Meisterschaften in Übersee ist im deutschen Gehörlosensport an sehr strenge Kriterien geknüpft und so starten bei der WM mit Linda Neumann und Alina Mühlenjost zwei Schwimmerinnen, die von Garnet Charwat, der langjährigen Nationaltrainerin des DGS, begleitet werden.

Linda Neumann (Berliner GSV) hat in drei Disziplinen Aussichten auf eine Medaille. Jung an Jahren, kann die 22-jährige Berlinerin bereits jetzt auf eine imponierende Zahl an Erfolgen zurückblicken. Ihr Stern ging bei der Heim-EM 2010 in Dortmund auf, als sie mit siebzehn bereits eine Silber- und drei Bronzemedaille erringen konnte. Folgerichtig wurde sie zur besten Nachwuchsschwimmerin der EM 2010 gewählt.

Bei den Deaflympics 2013 setzte sie ihre Erfolgsserie fort und kehrte mit einer Silbermedaille über 400 m Freistil sowie einer Bronzemedaille über 400 m Lagen heim. Bei der EM 2014 in Saransk/RUS errang sie das heißersehnte Gold über 400 m Freistil, Silber über 800 m Freistil und Bronze über 400 m Lagen. Aufgrund ihrer Erfolge wurde sie zweimal hintereinander, 2013 und 2014, mit der DGS Sports Trophy ausgezeichnet und wurde ebenfalls 2013 und 2014 Junior Sportlerin des Jahres in der Sonderwertung Gehörlosensport der Deutschen Sporthilfe.

Linda Neumann hat in San Antonio gleich zu Beginn und an den Schlusstagen ihre wichtigsten Auftritte. Die Qualifikation über 800 m Freistil am Eröffnungstag der WM dürfte kein Problem darstellen, spannend wird es dann am Dienstag,18. August, wenn das Finale in dieser Disziplin ansteht. Am kommenden Freitag stehen dann die 400 m Lagen auf dem Programm und die wohl größte Chance hat Linda am Schlusstag der WM über 400 m Freistil (22. August).

Alle Freunde des Schwimmsports der Gehörlosen blicken in der kommenden Woche gespannt nach San Antonio und drücken den jungen Athletinnen die Daumen – go for it!


Der erste Wettkampftag der Schwimm-WM der Gehörlosen ist vorüber und aus deutscher Sicht läuft alles nach Plan. Linda Neumann, amtierende Vizeeuropameisterin über 800 m Freistil erreichte in dieser Disziplin das am 18. August ab 15 Uhr Ortszeit stattfindende Finale.

In ihrem Vorlauf traf Linda mit Lilly Creswick/USA gleich auf eine der Favoritinnen, ließ sich davon aber nicht beeindrucken, schwamm ruhig in ihrem Tempo und erreichte als insgesamt 6. das Finale. Man darf gespannt sein, ob sie dann auch gegen die starke Konkurrenz aus Übersee – Alyssa Greymont/USA, Lilly Creswick/USA und Celeste Punet/ARG – zulegen und um die Medaillen mitschwimmen kann. Trainerin Garnet Charwat beschreibt ihre Form als gut, die Athletin selbst klagt über die ungewohnte Hitze, will sich davon aber nicht beeindrucken lassen und sich voll aufs Finale konzentrieren.

Die kürzeren Strecken sind nicht Neumanns Stärke und so galt der Vorlauf über 200 m Freistil auch eher der Anpassung an die ungewohnten Bedingungen und der Vorbereitung auf die 800 m. Insofern war es auch durchaus keine Enttäuschung, dass sie als Vorlaufneunte knapp um 16 hundertstel Sekunden das Finale verpasste.

Auch für Alina Mühlenjost ging es über 200 m Freistil eher darum, sich an die Bedingungen vor Ort zu gewöhnen und in den Wettkampf „reinzukommen“. Ihre Spezialdisziplin, Brustschwimmen, steht erst in den kommenden Tagen auf dem Programm, so dass man ihr Ausscheiden über 50 m Schmetterling und 200 m Freistil als „erwartet“ bezeichnen kann.

Aufgrund der Zeitverschiebung finden die heutigen Endläufe erst am späten Abend mitteleuropäischer Zeit statt – kein Grund, Linda Neumann nicht für das Finale über 800 m Freistil die Daumen zu drücken!


Zweimal im Finale aber dennoch: Es war nicht der Tag der DGS-Medaillenhoffnung Linda Neumann. In den Vorläufen am Vormittag hatte sie zunächst als Vorlaufachte das Finale über 200 m Lagen erreicht, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten lag. Sie ist ohnehin über die 400 m Distanz stärker und trat im Finale am Abend unter der Prämisse an, sich für die 800 m Freistil einzuschwimmen. So schwamm sie im Finale über 200 m Lagen mit „angezogener Handbremse“ und erreichte wie nach dem Vorlauf den erwarteten 8. Platz.

Die Rechnung ging allerdings nicht auf. Die 800 m Freistil sahen von Anfang an eine aggressiv schwimmende Linda Neumann. Sie wollte zeigen, dass sie hart trainiert hat und unter den Ersten dabei sein kann. Es entwickelte sich ein Kopf an Kopf Rennen um die Plätze zwei und drei. Bis zur Hälfte der Strecke hielt Linda gut mit, dann ließen ihre Kräfte nach. Sie konnte mit dem hohen Tempo der sehr starken Konkurrenz nicht mehr mithalten und fiel am Ende auf den 7. Platz zurück. Neumann war am Ende sehr enttäuscht, hatte sie sich doch durch hartes,intensives Training gewissenhaft auf die WM vorbereitet und sich mehr ausgerechnet. Nach wie vor hat sie in San Antonio Probleme mit der trockenen, heißen Luft.

Jetzt heißt es, den Frust abzuhaken und sich auf die Lieblingsstrecke 400 m (Freistil und Lagen) am Ende der Wettkampfwoche zu konzentrieren. Morgen hat Linda einen wettkampffreien Tag. Vielleicht ganz gut, um den Frust zu verarbeiten und Kraft für die kommenden Wettkämpfe zu sammeln.

Für Alina Mühlenjost stand auch der 2. Wettkampftag ganz im Zeichen der Vorbereitung auf ihre Spezialdisziplin und daher war sie auch nicht traurig, sowohl über 50 m Freistil als auch über 200 m Lagen das Finale verpasst zu haben. Sie habe alles gegeben, in der Vorbereitung mehr auf Ausdauer trainiert, was noch Zeit brauche, um Früchte zu tragen.

Der Höhepunkt für Alina steht morgen am dritten Wettkampftag auf dem Programm. Über 50 m Brust erreichte sie 2013 bei den Deaflympics als 15-jährige Platz vier sowie im Vorjahr bei den Europameisterschaften Platz fünf, jeweils mit nur geringem Abstand auf Bronze. Angesichts des sehr starken Teilnehmerfeldes in San Antonio ist es sicher etwas gewagt, auf einen Medaillengewinn zu spekulieren. Schon eine Platzierung unter den ersten sechs wäre eine sehr gute Leistung. Alina Mühlenjost ist mit siebzehn noch sehr jung und wird ihren Leistungszenit erst in den kommenden Jahren erreichen.


Das Maß aller Dinge über 50 m Brust der gehörlosen Schwimmerinnen ist und bleibt die bereits 31-jährige Weißrussin Aksana Petrushenka. In der beeindruckenden Zeit von 32,96 sec. (Meisterschaftsrekord) fügte sie in dieser Disziplin ihren Goldmedaillen von den Deaflympics 2013 und der EM 2014 eine weitere hinzu und vollendete somit ihren Titelhattrick. Überhaupt muss man festhalten, dass das Leistungsniveau in San Antonio sehr hoch ist. Petrushenkas Zeit bei der EM des Vorjahres, hätte dieses Mal nicht einmal dafür gereicht, aufs Treppchen zu kommen.

Insofern hat sich die deutsche Teilnehmerin Alina Mühlenjost auf ihrer Lieblingsstrecke wacker geschlagen. Mit 35,99 sec. schwamm sie im Vorlauf nach langer Zeit wieder einmal unter 36 sec. und erreichte als Siebte das Finale. Dort hatte sie dann einen guten Start, kämpfte bis zum Schluss, konnte ihre Vorlaufzeit aber nicht mehr unterbieten. Mit 36,37 sec. erreichte sie auch im Finale den 7. Platz.

Am morgigen 4. Wettkampftag hat Alina frei, stattdessen greift Linda Neumann über 200 m Rücken wieder ins Wettkampfgeschehen ein.


Die alles dominierende Schwimmsport-Nation der WM in San Antonio ist Russland. Allein am 4. Wettkampftag holten russische Schwimmerinnen und Schwimmer weitere fünf Goldmedaillen. Dabei stach vor allem die 22-jährige Deaflympicssiegerin Alena Alekseeva hervor, die sich in neuer Weltrekordzeit von 2:25,18 min. den WM-Titel über 200 m Rücken sicherte.

Für die kleine Delegation des DGS verlief Tag 4 der WM relativ ereignislos. Alina Mühlenjost hatte einen freien Tag, Linda Neumann startete vormittags im Vorlauf über 200 m Rücken und war dann nachmittags im Finale vertreten. In dieser Disziplin erreichte Linda sowohl bei den Deaflympics 2013 als auch der EM 2014 jeweils den Endlauf, wurde in Sofia 5. und in Saransk 4. In diesem Bereich schwamm sie auch gestern in San Antonio. Als insgesamt 5. erreichte sie in 2:36,32 min. das Finale, in dem sie mit 2:36,99 min. 6. wurde.

Über 200 m Rücken gehörte Linda Neumann nicht unbedingt zu den Medaillenkandidatinnen, restlos zufrieden war sie mit ihrem Abschneiden jedoch nicht. Im Vorfeld der WM hat sie sehr gut trainiert, kann ihr normales Leistungsniveau in San Antonio bis jetzt jedoch nicht abrufen. Nach wie vor machen ihr die klimatischen Bedingungen vor Ort zu schaffen.

An den die WM abschließenden Tagen stehen jeweils Spezialdisziplinen von Linda Neumann auf dem Programm. Am Freitag geht sie über 400 m Lagen, am Samstag über 400 m Freistil an den Start. Über diese Strecken stand sie sowohl bei den Deaflympics als auch der EM jeweils auf dem Treppchen. Drücken wir Linda die Daumen, dass sie sich trotz ihrer Probleme mit den Bedingungen in San Antonio noch steigern kann, damit es mit dem erhofften Medaillengewinn doch noch was wird.


Mit einem halbwegs versöhnlichen sechsten Platz über ihre Lieblingsstrecke endete die Schwimm-WM der Gehörlosen für die 22-jährige Berlinerin Linda Neumann. Der erhoffte Medaillengewinn blieb jedoch aus.

Nachdem sie am Vortag über 400 m Lagen zwar das Finale erreicht hatte, jedoch schwer mit dem selbst gemachten Erwartungsdruck zu kämpfen hatte, wurde sie vom Endlauf zurückgezogen. Über die 400 m Freistil am Schlusstag der WM ging es besser. Linda zog als 8. ins Finale ein und konnte sich dort auf Rang 6 verbessern. Zum Schluss der WM wirkte sie befreiter und zeigte ein gutes Rennen.
Für Alina Mühlenjost endete die WM nicht zufriedenstellend. Über 100 m Brust hätte sie mit ihrer Bestzeit ins Finale einziehen können, am Ende reichte es jedoch nur zu Platz 14 nach den Vorläufen. Der 14. Platz war es für sie auch in der Qualifikation über 400 m Lagen.

Alina Mühlenjost ist mit siebzehn noch sehr jung, hat in diesem Jahr im Training die Akzente stärker in Richtung Kondition gesetzt, was sich in San Antonio noch nicht ausgezahlt hat. Bei früheren internationalen Wettkämpfen hat sie allerdings schon gezeigt, dass sie zumindest über 50 m Brust zur erweiterten Weltklasse zählen kann. Es bleibt abzuwarten, welche Reaktion das eher bescheidene Abschneiden bei der WM in San Antonio in ihr auslöst. Wünschenswert wäre eine „jetzt erst recht“ Haltung!

Linda Neumann, die ja sowohl bei den Deaflympics 2013 als auch der EM 2014 gleich mehrfach auf den Medaillenrängen landete, muss diesen Dämpfer akzeptieren und versuchen, ihn abzuhaken. Bisher ist sie bei Meisterschaften als „Nobody“ angetreten, von dem man nicht unbedingt Medaillen erwartet hatte. Durch ihre Erfolge gehörte sie dieses Mal zu den Favoritinnen und ist offensichtlich mit dem Erwartungsdruck nicht fertig geworden.

Es ist bitter, wenn man toptrainiert sein eigentliches Leistungsniveau nicht abrufen kann. Linda ist eine sehr ehrgeizige Sportlerin, die in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt hat, was sie kann. Hoffen wir, dass sie gestärkt aus dieser Krise hervorgeht und bei den Deaflympics 2017 der Welt zeigen kann, was sie wirklich drauf hat!

Alina Mühlenjost

DatumStreckeVorlaufRangFinaleRangBemerkungen
17.08.2015200 m Freistil02:36,6920. Platz
17.08.201550 m Schmetterling00:33,0016. Platz
18.08.201550 m Freistil00:30,1417. Platz
18.08.2015200 m Lagen02:51,9920. Platz
19.08.201550 m Brust00:35,997. Platz00:36,377. Platz
21.08.2015100 m Brust01:29,6014. Platz
21.08.2015400 m Lagen06:39,7614. Platz
22.08.2015100 m Schmettterling01:20,6415. Platz

Linda Neumann

DatumStreckeVorlaufRangFinaleRangBemerkungen
17.08.2015200 m Freistil02:18,569. Platz
17.08.2015800 m Freistil10:01,626. Platz
18.08.2015800 m Freistil10:02,157. Platz
18.08.2015200 m Lagen02:37,078. Platz02:39,508. Platz
20.08.2015200 m Rücken02:36,325. Platz02:36,996. Platz
21.08.2015400 m Lagen05:37,157. Platz
22.08.2015400 m Freistil04:54,787. Platz04:47,086. Platz