Bericht über die DM im Schwimmen in Köln vom 10./11.06.2011

Startsprung bei der DM in Köln 2011

Das letzte Bundesjugendtreffen fand bereits vor 12 Jahren in Würzburg statt, das 5. Treffen kam nun an Pfingsten in Köln vom 9. bis 11. Juni 2011 zustande.

Neben den zahlreichen, von der Deutsche Gehörlosensportjugend durchgeführten Veranstaltungen, wurden in einigen Sportarten gleichzeitig Meisterschaften organisiert. Auch die Sparte Schwimmen wollte dabei die Gunst der Stunde nutzen, denn man versprach sich dadurch eine höhere Beteiligung, besonders von den umliegenden Hörgeschädigten Schulen in NRW. Die DGSJ schrieb deshalb bundesweit 81 Hörgeschädigten Schulen an, doch zurück kam leider nur eine einzige Meldung, und zwar aus Köln.

Hier müssen sich in Zukunft die DGS-Verantwortlichen, insbesondere die Landessportverbände, nicht nur Gedanken machen, sondern sich auch in Richtung Schule bewegen, um einen gemeinsamen Konsens zu finden. Alle reden immer nur davon, dass unsere Kinder zu wenig Bewegung und dadurch Gewichtsprobleme haben, dabei gibt es zahlreiche GL Sportvereine, die händeringend Nachwuchs suchen. Für die viele Nachwuchsschwimmer, die in Köln am Start waren, ist der Vereinssport inzwischen ein Teil ihres Lebens. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder, die sich regelmäßig sportlich betätigen, in ihrer schulischen Ausbildung und persönlichen Entwicklung stabiler und leistungsfähiger sind.

Zu den Schüler-, Jugend- und Einzelmeisterschaften im Schwimmen kamen 14 Vereine mit insgesamt 50 Teilnehmern an den Rhein nach Köln ins Weidenbad.

Phil Goldberg

Für den absoluten Paukenschlag sorgte am 1. WK-Tag unerwartet der Dresdner Phil Goldberg. Er stellte einen neuen Weltrekord über 50m Rücken in 0:28,16 auf. Zwar schwamm er schon bei den hörenden Wettkämpfen schneller, meldete jedoch aus falsche Bescheidenheit den Rekord nicht an.

Der Verbandsfachwart kannte dieses Mal kein Erbarmen, denn „man weiß ja nie, ob er eine solche Leistung noch einmal toppen kann. Wie sollen denn DGS, EDSO und ICSD seine Leistungen anerkennen und würdigen, wenn sie nicht bekannt gegeben werden?“

Am 2. WK-Tag stellte er darüber hinaus noch über 100m Rücken in 1:00,56 einen neuen Europarekord auf.

Bei den Nachwuchsschwimmern ragte Livia Tamm (1998) vom GSF Dönberg heraus. Über 100 m Freistil in 1:07,51 Sek und über 50 m Freistil in 0:31,07 schwamm sie neue AK C-Deutsche Rekorde. Auch Michael Würges (1996) vom GSV Heidelberg schwamm über 50m Brust in 0:35,04 einen neuen AK-B-Deutschen Rekord.

Verletzungsbedingt musste leider Björn Koch vom GSC Fürth/SV Wuppertal die DM und die WM absagen. Er hat in den letzten Jahren unwahrscheinlich viel auf sich durch seine zahlreichen Erfolge und WR aufmerksam gemacht. Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass er bald wieder gesund wird. Nicky Lange beendete seine Karriere im DGS-Nationalschwimmteam und konnte beruflich nicht in Köln dabei sein. Eine ehrenvolle Verabschiedung findet auf jeden Fall noch statt. Für die A-Kaderschwimmer war die Meisterschaft wegen der anstehenden 3. WM in Coimbra/Portugal im August eine Pflichtveranstaltung. Bisher haben Linda Neumann, Jarmila Gupta, Robin und Phil Goldberg ihre WM-Tickets in der Tasche, da sie bereits die Normzeiten erfüllt haben.

Die DGSJ stiftete an die besten Nachwuchsschwimmer Pokale:

weiblich:

Theresa Sichert AK J1 (GSC Nürnberg)

Linda Müller AK A (GSV Bremen)

Livia Tamm AK C (GSF Dönberg)

Anna Wettin AK E (Dresdner GSV)

männlich:

Jan-Hendrik Anstipp AK J1 (GSV Bremen)

Tim-Niklas Anstipp AK A (GSV Bremen)

Michael Würges AK B (GSV Heidelberg)

Steven Stürenburg AK C (GSV Bremen)

Am Rande des Geschehens sprach Verbandstrainerin Garnet Charwat Sportdirektorin Sabine Grajewski über eine mögliche Teilnahme einer Männerstaffel an, wenn der DGS Jan-Hendrik Anstipp und Michael Würges zusätzlich dafür nominieren werden würde.

Der Verbandsfachwart versuchte schon im Vorfeld dem Leistungssportausschuss (LSA) zu erklären, dass das A-Finale über 4 × 100 m Freistil, 4 × 100 m Lagen und 4 × 200 m Freistil garantiert auch mit 2 Nachwuchsschwimmern erreicht werden kann. Er hat den Eindruck, dass die Sportart Schwimmen beim LSA absolut nur als Einzelsport angesehen wird, und diese Benachteiligung kann und möchte er einfach nicht mehr akzeptieren. Einen kleinen Kader kann man nicht auf Dauer halten, und andere Nationen werden bei der WM über die 4 Teilnehmer des DGS schmunzeln: „mehr kann das reiche Deutschland nicht bieten!“.

Zurück zur DM: In der offenen Wertung der Damen ging Linda Neumann (Berlin) 10 mal erfolgreich an den Start. Auch wenn weit und breit keine Konkurrenz in Sicht war, schmälert dies nicht ihre klasse Leistung. Ähnlich erging es den Goldberg Brüdern Phil und Robin, sie ließen sich nicht beeindrucken und machten ihre Rennen unter sich aus. Sensationell und beeindruckend sind dabei ihre synchronischen Rückenstarts.

In der Altersklasse Master fiel Dietmar Sebald (Dresdner GSV) mit seinen 9 Einzelstarts und einem Staffelstart mit 10-mal Gold positiv auf. Er ist mit seinen 54 Jahren immer noch sehr agil, was eine gute Werbung für den Schwimmsport ist.

Großer Dank gebührt den Kölnern (hörenden) Kampfrichtern. Für sie war dieser Wettkampf sicher eine ganz neue Erfahrung, weil es kaum einen Startpfiff zu hören gab. Das Startsignal wurde durch ein grünes Lichtsignal ausgelöst. Dem DGSJ und dem gesamten Organisationstab für das 5. Bundesjugendtreffen ist großer Respekt für ihre gute Organisation zu zollen.

2011 – Bericht Köln

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